Warum Mobbing am Arbeitsplatz alte Wunden sichtbar macht Soulhealer Latifa

Vielleicht ist es nicht das erste Mal. Vielleicht hast du schon in der Schule dazugehört und dich trotzdem ausgeschlossen gefühlt. Vielleicht war da schon einmal ein Chef, der dich klein gemacht hat. Kollegen, die über dich gesprochen haben. Menschen, die deine Grenzen nicht respektiert haben.

Und jetzt passiert es wieder.

Du fragst dich: "Warum immer ich?"

Doch vielleicht ist das nicht die wichtigste Frage. Die wichtigere Frage lautet:

Warum berührt mich diese Situation so tief?

Warum fühlt sich das alles so vertraut an?

Und wann habe ich mich zum ersten Mal so gefühlt?

Mobbing ist kein Zufall – aber auch keine Schuldfrage

Lass uns eines direkt klarstellen: Wer mobbt, trägt die Verantwortung für sein Verhalten. Grenzüberschreitungen, Ausgrenzung, Manipulation oder Demütigungen sind niemals in Ordnung.

Trotzdem gibt es einen zweiten Blickwinkel, den viele Menschen übersehen. Warum geraten manche Menschen immer wieder in ähnliche Konstellationen? Warum wiederholen sich bestimmte Erfahrungen – obwohl der Arbeitsplatz, die Kollegen oder die Umstände völlig anders sind? Die Antwort liegt oft nicht im aktuellen Job. Sondern viel weiter zurück.

Die eigentliche Wunde entsteht oft lange vor dem Arbeitsplatz

Die meisten Menschen kommen nicht mit einem stabilen Selbstwertgefühl auf die Welt. Sie entwickeln ihr Bild von sich selbst in ihrer Familie, im Kindergarten, in der Schule und in ihrem sozialen Umfeld. Dort lernen wir unbewusst:

Wann bin ich liebenswert?

Wann werde ich gesehen?

Wann bekomme ich Aufmerksamkeit?

Wann bin ich sicher?

Viele Menschen haben früh gelernt:

Sei angepasst.

Mach keine Probleme.

Sei nicht zu laut.

Sei nicht zu viel.

Sei fleißig.

Sei stark.

Funktioniere.

Und irgendwann entsteht daraus eine gefährliche Verknüpfung:

"Wenn ich leiste, werde ich geliebt."

"Wenn ich mich anpasse, gehöre ich dazu."

"Wenn ich Nein sage, verliere ich Menschen."

Als Kind sind solche Strategien oft sinnvoll. Als Erwachsener können sie zu einer Herausforderung werden.

Was dein Unterbewusstsein längst gespeichert hat

Unser Alltag wird nicht nur von bewussten Entscheidungen gesteuert. Ein großer Teil läuft automatisch ab. Das Nervensystem und das Unterbewusstsein speichern Erfahrungen, Gefühle und Überlebensstrategien.

Wenn du als Kind gelernt hast, dass Anpassung Sicherheit bedeutet, wird dein System genau das auch im Erwachsenenleben versuchen. Selbst dann, wenn es dir längst schadet.

Du arbeitest mehr als andere.

Du übernimmst zusätzliche Aufgaben.

Du versuchst Konflikte zu vermeiden.

Du hoffst, dass andere deine Leistung sehen.

Du gibst immer wieder mehr, als eigentlich gesund wäre.

Nicht weil du schwach bist. Sondern weil dein System gelernt hat, dass genau das einmal notwendig war.

Warum sich bestimmte Situationen wiederholen

Viele Menschen glauben, sie hätten einfach Pech.

Der falsche Chef. Die falschen Kollegen. Die falsche Firma.

Und manchmal stimmt das sogar.

Doch wenn sich ähnliche Erfahrungen durch verschiedene Lebensbereiche ziehen, lohnt sich ein genauerer Blick. Denn oft wiederholt sich nicht die Situation. Sondern das Gefühl.

Das Gefühl, nicht dazuzugehören.

Das Gefühl, nicht gesehen zu werden.

Das Gefühl, sich beweisen zu müssen.

Das Gefühl, allein zu sein.

Genau diese Gefühle sind häufig viel älter als der aktuelle Arbeitsplatz. Der Job macht sie nur sichtbar.

Der Wendepunkt beginnt nicht im Außen

Viele Menschen versuchen zuerst das Außen zu verändern.

Den Job.

Die Kollegen.

Den Chef.

Das Umfeld.

Manchmal ist das wichtig und notwendig. Doch echte Veränderung beginnt oft an einer anderen Stelle. Nämlich dort, wo du erkennst:

"Ich bin heute nicht mehr das Kind von damals."

"Ich muss mich nicht mehr beweisen."

"Ich darf Grenzen setzen."

"Ich darf Nein sagen."

"Ich darf mich selbst ernst nehmen."

Der Wendepunkt entsteht nicht, wenn alle anderen sich verändern. Der Wendepunkt entsteht, wenn du beginnst, dich selbst anders zu sehen.

Fragen, die du dir stellen kannst

Wann habe ich mich zum ersten Mal ausgeschlossen gefühlt?

Wann habe ich gelernt, mich anzupassen?

Wann hatte ich das Gefühl, nicht gut genug zu sein?

Wann habe ich begonnen, Leistung mit Liebe zu verwechseln?

Wo mache ich mich heute noch kleiner, als ich eigentlich bin?

Die Antworten liegen oft nicht im aktuellen Arbeitsplatz. Sie liegen deutlich weiter zurück.

Was ich heute über Mobbing denke

Rückblickend bin ich dankbar für viele Erkenntnisse, die aus schwierigen Erfahrungen entstanden sind. Nicht weil das Verhalten anderer Menschen richtig war. Sondern weil es mich gezwungen hat hinzusehen. Zu erkennen, dass die eigentliche Wunde nicht bei meinen Kollegen entstanden ist.

Sondern viel früher.

In meiner Geschichte.

In meinen Prägungen.

In den Mustern, die ich unbewusst mit mir getragen habe. Und genau dort begann auch die Veränderung.

Wenn du den Ursprung verstehen möchtest

Manchmal reicht es nicht, nur über Probleme zu sprechen. Manchmal braucht es einen Blick auf das gesamte Bild.

Auf deine Geschichte.

Deine Muster.

Dein Nervensystem.

Deine familiären Prägungen.

Deine wiederkehrenden Erfahrungen.

Genau dabei unterstütze ich Menschen in meiner Ursachenanalyse und in der individuellen 1:1 Begleitung.

Nicht um Schuldige zu finden. Sondern um Zusammenhänge zu verstehen.

Denn Klarheit verändert oft mehr als jede schnelle Lösung.

Du musst heute nicht wissen, wie du alles verändern sollst. Aber vielleicht ist heute der Tag, an dem du aufhörst zu glauben, dass mit dir etwas nicht stimmt.

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Warum dein Körper reagiert obwohl "doch alles okay ist"